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Aufklärung international

Der lange Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung!


Im Laufe der Geschichte hat man sich auf Kultur/Tradition berufen, um abscheuliche und unmenschliche Praktiken zu rechtfertigen. Tradition umfasst die beständigsten Feinde der Würde und Sicherheit der Frau und zielt darauf ab, männliche Dominanz und weibliche Unterwerfung zu bewahren. In industrialisierten Gesellschaften kann sie sich in frauenverachtender Musik, sexueller Belästigung und gesellschaftlichem Druck äußern. In vielen Entwicklungsländern werden gewalttätige Praktiken wie das Schlagen der Ehefrau, Ehrenmord, Witwenverbrennung, weibliche Genitalverstümmelung, Bevorzugung männlicher Kinder als Tradition anerkannt und stark verteidigt.

Weibliche Genitalverstümmelung ist eine schändliche Verletzung der Rechte von Kindern und Frauen und stellt eine katastrophale Verletzung ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit dar.

FGM ist eine der schädlichen traditionellen Praktiken, die in mindestens 28 afrikanischen Ländern, in Teilen des Nahen Ostens, in einigen Gemeinden in Australien, im Fernen Osten und bei der aus FGM praktizierenden Bevölkerung in Europa und Amerika stammenden Immigranten weit verbreitet ist. Die an sich schon schmerzhafte FGM-Operation hat unmittelbare und langfristige Folgen für die Gesundheit und Psyche von Frauen und Mädchen. Trotz aller negativen Folgen von FGM unterziehen sich jedes Jahr mindestens 2 Millionen Säuglinge, Mädchen und Frauen der Operation (das sind etwa 6.000 pro Tag oder eine alle 15 Sekunden).

Die Fragen die wir uns stellen müssen: Warum wird FGM beharrlich praktiziert? Warum wird sie in Gebieten, in denen sie praktiziert wird, stark verteidigt und sogar in neue Gebiete ausgedehnt? Was motiviert Eltern, Säuglinge im Alter von 7 oder 8 Tagen, Kleinkinder und Mädchen, meist unter 10 Jahren, zur FGM-Operation zu zwingen? Und wie kann man FGM stoppen?

 

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Das Erlebnis einer jungen Frau aus dem Sudan!


Ich wurde zum ersten Mal mit 5 Jahren infibuliert. Ich kann mich noch an jedes Detail erinnern – der furchtbare Schmerz und wie ich für einige Wochen angebunden gelegen bin. Es tat so weh, ich habe nur geweint und geweint. Ich konnte nicht verstehen, warum man mir das angetan hat.

Als ich fast 12 war, untersuchten mich meine Tanten eines Tages. Sie stellten fest, dass ich nicht genug verschlossen war. Deshalb nahmen sie mich zu der Hebamme mit, die ein paar Straßen weiter wohnte. Als ich merkte, wohin sie mich mitnahmen, versuchte ich davon zu laufen; aber sie hielten mich fest und schleppten mich zum Haus der Hebamme. Ich schrie um Hilfe und versuchte mich zu befreien; aber ich war nicht stark genug.

Sie pressten mich nieder und bedeckten meinen Mund mit einem Tuch, damit ich nicht schreien konnte. Dann schnitt mich die Hebamme wieder auf; und diesmal vergewisserte sich die Frau, die mich operierte, dass ich wirklich verschlossen war.

Sie trugen mich nach Hause. Der Schmerz war furchtbar. Meine Beine waren zusammengebunden und ich konnte mich nicht bewegen. Ich konnte nicht urinieren und mein Bauch wurde ganz geschwollen. Eine Sekunde war mir ganz heiß, die nächste hatte ich einen Schüttelfrost. Es war gerade Trockenzeit mit Sandstürmen und es war schwierig zu atmen. Ich weiß nicht wie viele Tage ich dort lag. Dann kam wieder die Hebamme. Ich schrie so laut ich konnte, denn ich dachte, dass sie mich wieder aufschneiden würde. Dann verlor ich das Bewusstsein.

Ich wachte in einer Station des Krankenhauses auf, umgeben von stöhnenden Frauen. Ich war erschrocken und wusste nicht, wo ich mich befand. Ich hatte noch immer starke Schmerzen; meine Beine und meine Genitalien waren riesig geschwollen und mein ganzer Körper schmerzte.

Später sagte man mir, dass die Infibulation aufgeschnitten wurde, um den Urin und den Eiter herauszulassen. Ich war selbst zum Weinen zu schwach; mir war alles egal geworden. Ich wollte sterben. Warum hat mir meine Mutter das angetan? Was habe ich getan, um so verletzt zu werden?

Es sind seitdem Jahre vergangen. Die Ärzte haben mir gesagt, dass ich wegen der Infektion, welche mir noch immer Schmerzen bereitet, niemals Kinder bekommen kann. Deshalb wird mich auch niemand heiraten; niemand will eine Frau, die keine Kinder haben kann. Ich will auch nicht heiraten, denn ich habe Angst, dass es wieder weh tun wird. Ich sitze zu Hause und weine viel. Wenn ich auf meine Mutter und meine Tante schaue, frage ich: „Warum habt ihr mir dieses furchtbare Ding angetan?“ (Quelle: Fran P. Hosken, STOP Female Genital Mutilation – Women Speak, WIN, 1995)

MIT IHRER HILFE KÖNNEN WIR FGM LANGFRISTIG STOPPEN!

 

  
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Auswirkungen von FGM

Sofortige Komplikationen und Auswirkungen

Die Folgen können in Kurzzeit- und Langzeitauswirkungen zusammengefasst werden. Die ersteren zeigen sich innerhalb kürzester Zeit, Minuten nachdem die Operation begonnen wurde, mit Blutungen und Schmerzen.

  1. Schock wegen Blutungen, Schmerz und Stress als Resultat, weil sehr sensible und zarte Teile der Geschlechtsorgane ohne Betäubungsmittel (Anästhesie) weggeschnitten wurden.

  2. Blutungen oder schwere Blutungen: das Zerschneiden der Blutgefäße in der Vulva (klitorale Arterie) während der Operation führt zu Blutungen. Heftiges Bluten kann einen Schock bewirken. Langandauerndes Bluten kann zu Anämie oder sogar Tod führen.

  3. Harnsperre aus Furcht vor Schmerz: das Schwellen des Gewebes, oder die Verletzung der Harnröhre verursachen Schmerzen und Beschwerden, die leicht zu Blasen- oder Harnröhreninfektionen führen können.

  4. Infektionen, die durch die Verwendung von nicht sterilisierten Instrumenten unter unhygienischen Bedingungen verursacht werden, können auch zu Folgekomplikationen, ja sogar zum Tod, führen. Infektionen können Beckenentzündungen bewirken. Sie können auch zu Blutvergiftungen oder Tetanus führen, und wenn diese nicht behandelt werden, zum Tod. Es besteht auch ein großes Risiko einer HIV-Transmission wegen der Verwendung der selben Instrumente für mehrfache Operationen, wie z.B. während eines Initiationsritus.

  5. Verletzung von Organen, wie After, Harnröhre und Harnblase, durch unerfahrene BeschneiderInnen, oder weil das Mädchen sich sträubt und wehrt. Bei Infibulationen (Deinfibulationen, Reinfibulationen) vermehren sich die Auswirkungen wegen des wiederholten Schneidens und Zunähens. Deshalb sind hier Blutungen und das Risiko einer schweren Blutung, Schmerzen, Risiko einer Infektion und einer Harnsperre, größer und ernster.
 
 
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Auswirkungen von FGM

Langfristige Auswirkungen

Die Folgen können in Kurzzeit- und Langzeitauswirkungen zusammengefasst werden. Langzeitauswirkung bestehen lebenslang, sind unveränderbar und brauchen medizinische Eingriffe, um die Auswirkungen zu mildern. Infibulation und Entfernung verursachen langfristige gynäkologische und urologische Komplikationen. Diese sind hauptsächlich:

  1. Wiederholte Harninfektionen wegen der Verengung der Harnröhre, welche verhindert, dass der gesamte Harn aus der Blase geleert wird.

  2. Äußerst schmerzhafte Menstruationen wegen des Rückstaus von Harn und Blut in der Gebärmutter, welche zu Entzündungen der Harnblase und der inneren Sexualorgane führt.

  3. Bildung von Narben und Narbengeschwüren in der Vulva.

  4. Wachstum von Dermoidzysten, die zu Abszessen werden können.

  5. Bildung von Fisteln – die Reißstelle in der Vagina und/oder des Uterus führen zu der Unfähigkeit den Harn zu kontrollieren.

  6. Abszesse auf der Vulva.

  7. Heftiger Schmerz während des Geschlechtverkehrs, bestehend aus physischen Beschwerden und psychologischem Trauma.

  8. Schwierige Entbindung, welche im Fall von langen und komplizierten Wehen zum Kindestod oder Gehirnschäden beim Neugeborenen führen können, besonders bei infibulierten Frauen.

  9. Bei Infubulierten können akute oder chronische Beckenentzündungen auftreten, welche zur Unfruchtbarkeit und/oder Eileiterschwangerschaften führen können.

  10. Ansammlung von Blut und Blutgerinnsel in der Gebärmutter und/oder Vagina uvm.

MIT IHRER HILFE KÖNNEN WIR FGM LANGFRISTIG STOPPEN!

 



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Bitte helfen sie uns dabei, das unbeschreibliche leid zu beenden!

 

Aufklärung & Vernetzung im Kampf gegen FGM


FGM war in der Vergangenheit in der African Community ein Tabuthema und in Österreich nicht öffentlich bekannt.
Durch unsere jahrelangen kontinuierlich weitergeführten Aufklärungskampagnen, Veranstaltungen, Studien, Forschungen, Projekte und Publikationen zur Problematik von FGM haben wir stark zur Bewusstmachung in der Öffentlichkeit in Österreich und international beigetragen. Weiters haben wir eine verstärkte Sensibilisierung des Themas in den African Communities bewirkt und eine Vernetzung der damit befassten Organisationen erreicht.

Mit der Bewusstmachung, Aufklärung und Information über FGM und die aus FGM resultierenden gesundheitlichen Folgen durch öffentliche Veranstaltungen und Infokampagnen, sowie Trainings für Multiplikator*innen zur Vorbeugung dieser Praktik – können wir FGM langfristig stoppen!

Es gibt noch viel zu tun!

Zielgruppen sind afrikanische Multiplikator*innen aus von FGM betroffenen Migrant*innen-Communities, religiöse Führer*innen, Gemeindeleiter*innen, Angehörige aller Berufsgruppen, die mit afrikanischen Frauen und Mädchen befasst sind, Student*innen und andere wissenschaftlich tätige Personen, Medienvertreter*innen, Medizinisches Personal; Kindergartenpädagog*innen, Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen, Mitarbeiter*innen aus der Entwicklungszusammenarbeit sowie Flüchtlingshilfe und aus Menschenrechtsorganisationen, Polizist*innen, Beamt*innen von Bundesasylämtern, aber auch Meinungsbildner*innen aus Politik und Wirtschaft u.a.

Es bedarf großer Anstrengungen, um die Menschen auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Veranstaltungen sind aufwendig, kosten viel Zeit und Geld.

Mit Ihrer Hilfe, können diese Veranstaltungen weiterhin stattfinden – solange, bis diese Folter an Frauen endlich „verschwindet“.

Jeder Euro zählt!