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Aufklärung national

FGM ist nicht Kultur. FGM ist Folter


Tagtäglich werden Mädchen nicht nur in Afrika oder Asien sondern auch in Europa genitalverstümmelt. Umso wichtiger ist es für uns, Maßnahmen zu ergreifen und Mädchen diese Folter zu ersparen.
FGM als traditionelle Praxis zu bezeichnen und die Tat damit zu rechtfertigen lässt Frauen weltweit jeden Tag leiden. Waris Dirie hat es auf den Punkt gebracht, wenn sie sagt: „FGM ist nicht Kultur. FGM ist Folter“.

Die Ergebnisse aus der im Jahr 2000 in Österreich von der African Women's Organization durchgeführten Studie belegten, dass FGM auch in Österreich praktiziert wird. In den folgenden Jahren wurden eine Reihe von Projekten zur Prävention und Eliminierung von FGM in Österreich durchgeführt. Die frühere Frauenministerin und Nationalratspräsidentin, Mag. Barbara Prammer, brachte die FGM Problematik ins österreichische Parlament ein, das daraufhin ein gesetzliches Verbot von FGM in Österreich erließ.

Die African Women's Organization in Österreich entwickelte im Rahmen eines zweijährigen EU Daphne Projektes mit Partnerorganisationen in Holland und Schweden einen FGM Lehrkoffer, der in den EU Staaten, Afrika und weltweit verteilt wurde. Weiters errichtete die African Women's Organization die erste FGM Beratungsstelle in Österreich mit Unterstützung der Stadt Wien, der MA 17-Magistratsabteilung für Integration und Diversität, der MA 57 - Frauenservice Wien, des Wiener Programms für Frauengesundheit und des Fonds Gesundes Österreich. Nun wird es vom Bundeskanzleramt unterstützt.

Die Ziele des Nationalen Aktionsplans in Österreich sind:

  1. Die Vorbeugung und Eliminierung FGM in Österreich
  2. Die Koordination von FGM Aktivitäten und FGM Projekten in Österreich und
  3. die Vernetzung und Koordination von österreichischen Behörden, die mit FGM befasst sind mit NGOs, MigrantInnengemeinschaften, religiösen Gemeinschaften und Medien, um Projekte zur Prävention und Eliminierung von FGM in Österreich durchzuführen.

FGM in Österreich heute


Durch die Migration aus FGM praktizierenden Ländern sind auch in Österreich älteren Schätzungen zufolge 6.000 bis 8.000 Opfer von FGM betroffen, ein Drittel davon in Wien. Das EU-Institut für Gendergerechtigkeit EIGE schätzt, dass 12-18 % der Mädchen (735-1 083 Mädchen) im Alter von 0-18 Jahren in Österreich von weiblicher Genitalverstümmelung bedroht sind, bei einer Gesamtpopulation von 5.910 Mädchen im Alter von 0-18 Jahren im Jahr 2019. Von diesen 5.910 Mädchen mit Migrationshintergrund sind 38 % (2.243) die zweite Generation. Mädchen, die in Österreich von FGM bedroht sind, stammen überwiegend aus Ägypten und Somalia. Kleinere Gruppen stammen aus Äthiopien, Guinea, Irak, Nigeria und Sudan. (EIGE 2021). Siehe Publikation EIGE download hier.

 

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Was kann man durch Aufklärung zum Positiven verändern?

Eine Alternative zu FGM in Guinea-Bissau


„Sinim Mira Nassigue“ heißt, „wir denken an die Zukunft,“ und es heißt auch, Vermeidung von weiblicher Genitalverstümmelung für eine wachsende Zahl von jungen Frauen in Guinea-Bissau. Die NGO des gleichen Namens bietet alternative Riten an, die in traditionellen, ländlichen Gebieten verwendet werden können.

Vor einigen Jahren haben engagierte Frauen und Männer in Guinea-Bissau, trotz der sehr eingeschränkten Möglichkeiten, Sinim Mira Nassigue gegründet. In der Zwischenzeit haben sie Zentren in Buba, Gabú und Massabá eröffnet, von wo aus tägliche Hausbesuche gemacht werden, um die Gemeinden über die schädlichen Folgen von weiblicher Verstümmelung aufzuklären.

Mütter meinen, dass sie ihre Töchter nicht verheiraten können, wenn sie nicht beschnitten sind, sagt Maria Augusta Baldé, die Gründerin der Organisation. In manchen Gegenden, wird daran festgehalten, dass unbeschnittene Frauen nicht rein genug sind, um Essen zuzubereiten.

Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet Maria Augusta Baldé im Gesundheitsministerium, aber ihre Freizeit gehört ganz Sinim Mira Nassigue. Die Organisation kann keine Gehälter zahlen, aber die Erfolge machen die Mühen lohnenswert. Sinim Mira Nassigue organisierte einen „fanado modelo“ einen alternativen Initiationsritus für 35 Mädchen. Alle Traditionen der Zeremonie waren eingehalten worden und die Mädchen waren am Ende als rein angenommen worden, ohne jedoch verstümmelt zu werden.

In einem Interview in der Berliner Zeitung, hatte Maria Augusta Baldé erzählt, wie sie die Mädchen, die Frauen, die die Beschneidung durchführen und die TrommlerInnen einladen.„Dann läuft alles genauso ab wie in den alten Initiationsriten,“ sagte sie. „ Aber Messer und Klingen sind verboten. Wir bewahren den kulturellen Aspekt und befreien uns von dembrutalen Teil.“

 

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Beschneidung durch Worte


Junge Afrikanerinnen die mit ritueller weiblicher Beschneidung oder weiblicher Verstümmelung (FGM) konfrontiert sind, kann jetzt, dank einer Pionierarbeit von einer afrikanischen Basisgruppe und PATH (Program for Appropriate Technology in Health, Programm für Angewandte Technologien im Gesundheitsbereich), einer NGO aus Seattle, USA, Hoffnung gemacht werden.

Die lokale Basisgruppe nennt sich „Ntanira na Mugambo“, welches sich am bestem mit „Beschneidung durch Worte“ übersetzen lässt. Mit Unterstützung ihrer Gemeinde haben diese Frauen einen neuen Ansatz für Initiationsriten entworfen, der aus Liedern, Aufklärung, Feiern und einer Woche Klausur besteht.

Die neue „Beschneidung durch Worte“ Zeremonie, wurde zum ersten Mal 1996 von einer kleinen Gruppe durchgeführt, später folgte ihr eine wesentlich größere Zeremonie für 50 junge Frauen und ihre Familien. 1997 fand eine noch größere Zeremonie mit 70 jungen Frauen statt.

Die neue Zeremonie wurden in einer Reihe von Workshops – unterstützt von PATH - entwickelt, die von den Gemeinden und Frauengruppen abgehalten wurden. Die Gruppen entwarfen eine Reihe von neuen Unterlagen, bestehend aus Gedichten, Theaterszenen, Liedern, sowie auch Informationsblätter. Diese neue Zeremonie wurde zum ersten Mal im Tharaka Nithi Bezirk in Kenia durchgeführt.

In Folge gab es vor der richtigen Initiationszeremonie eine „Klausurwoche“, welche die traditionelle Heilungszeit nach der Beschneidung nachahmte. Während dieser Woche wurden die jungen Frauen von Mentorinnen begleitet, welche ihnen Handfertigkeiten zeigten, die sie später in ihren Familien brauchen können. Andere Gemeindetrainerinnen gaben den jungen Frauen Unterricht über Geschlechtskrankheiten, Beziehungen und Fortpflanzungsanatomie.

Diese Periode wurde mit einer farbenprächtigen Zeremonie beendet an der viele hundert Menschen aus der Gemeinde teilnahmen. Die Festivitäten bestanden aus Singen, Tanzen und Theateraufführungen der jungen Frauen. Die Darstellungen vermittelten auch Botschaften wie „weibliche Beschneidung ist altmodisch und hat im modernen Leben keinen Platz. Junge Frauen werden nicht durch Beschneidung reif, sondern durch Ausbildung.“

Zuerst verteilten die jungen Frauen Geschenke, dann erhielten sie welche. Sie bekamen neue Kleider und zusammen mit den Gästen aßen sie so, wie üblicherweise bei Beschneidungszeremonien gegessen wird.

Diese positiven Beispiel zeigen auf, dass es möglich ist, FGM auszurotten! Erst wenn FGM nicht mehr existiert, werden in Österreich keine Ärzt*innen mehr mit dieser unmenschlichen Praxis konfrontiert sein und afrikanische Frauen und Mädchen ein gesundes und schmerzloses Leben führen können.

BITTE HELFEN SIE UNS DABEI, PROJEKTE WIE DIESE - ZUR ALLGEMEINEN PRAXIS WERDEN ZU LASSEN!